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Spiral Dynamics – Strategie mit Sinn

Eine Zusammenfassung von Michael G. Franz

„Spiral Dynamics“ (SD)... - schon einmal gehört? Wieder so eine mehr oder weniger nötige Mode oder gar eine „abgekupferte, nur leicht aufgepeppte“ Variante von längst Bekanntem? – Michael G. Franz stellt uns das System vor.

Vielleicht werden Sie sich als Leserin oder Leser auch spontan angezogen oder abgeschreckt fühlen durch das erste der beiden Worte – ist doch die Spirale gerade das Symbol „unserer“ Strategielehre – und so könnte ein „Ach, interessant, sympathisch!“ oder auch „Oho, wer erdreistet sich, diese Metapher ebenso zu verwenden?!“ durch Ihre Gedankengänge sausen ...

In diesem Beitrag stelle ich mit „Spiral Dynamics integral“ (SDi) ein Konzept vor, das für sich in Anspruch nimmt, uns in dieser Zeit zunehmender Komplexität, Dynamik und Veränderungsgeschwindigkeit bei zu stehen, eine Orientierung aus mancher Verwirrung oder gar Hilflosigkeit heraus zu bieten, schlicht auch, dem Leben und Wirken eine gewisse Klarheit und neue Kraft zu verleihen.

Entstehungsgeschichte
SD basiert auf einer Anschauung „bio-psycho-sozialer“ Systeme durch den U.S.-amerikanischen Psychologen Clare W. Graves in den 1970er Jahren.

Die grundlegende These: Alle Systeme
durchlaufen die selben Entwicklungsstufen.

Seine grundlegende These ist, dass sich alle Systeme stets durch die selben Entwicklungsstufen hindurch entwickeln und dies auch in der stets gleichen Reihenfolge – ganz wie der Mensch vom Zeitpunkt der Zeugung ab durch die embryonale Phase, Kindheit, Adoleszenz usw. körperlich reift und sich kog-nitiv, emotional, sozial oder auch spirituell entwickelt. Das Konzept ist also anwendbar auf Individuen, Familien und Teams ebenso wie auf Organisationen, Unternehmen oder Nationen.

In Anlehnung an die Idee der „Gene“ auf der materiellen Ebene sprechen wir hier von „MEMEN“ auf der geistigen Ebene. Diese Entwicklung folgt dem Prinzip einer aufsteigenden Spirale mit derzeit (!) acht Stufen – nach oben also offen.

Weiterentwicklung
Während Graves diese Stufen noch mit jeweils zwei Buchstaben kodierte, ordneten seine Schüler Don E. Beck und Christopher C. Cowan diesen Farben zu und erweiterten das Modell u.a. durch das Integrale Konzept von Ken Wilber zum heutigen „Spiral Dynamics Integral“ (SDi). Don Beck ist nicht nur als Berater von Banken, Energieunternehmen etc. gefragt; mit Präsident Bill Clinton erörterte er Fragen der Rassendiskriminierung und mit Nelson Mandela tiefgreifende Strategien der Versöhnung. Er spielte eine zentrale Rolle beim friedlichen Aufbau eines demokratischen Südafrika, wofür er 1996 in seinem Heimatstaat Texas öffentlich geehrt wurde.

Die Systematik
Schauen wir uns diese Stufen jetzt einmal genauer an. Vielleicht tauchen schon bei der Lektüre Assoziationen oder Erinnerungen auf – an das eigene Denken und Handeln oder eben bezüglich der Einschätzung anderer ... (Kleiner Tipp: Freuen Sie sich schon auf das Mem in „orange“ !...)

Erste Ebene: Die Werteordnung des Überlebens

    BEIGE - das instinktive Überlebens-Mem (Beginn vor ca. 100.000 Jahren)

Grundthema: „Tu, was du tun musst, um ja zu überleben!“

  • Benutzt Instinkt und Gewohnheiten, um zu überleben
  • Ein eigenständiges Selbst ist kaum erwacht oder wird kaum aufrechterhalten
  • Nahrung, Wasser, Wärme, Sexualität und Sicherheit haben Priorität
  • Schließt sich zu Banden zusammen, um das Überleben zu sichern
  • Lebt, wie „andere Tiere“, weitgehend von dem, was die Natur bietet

    PURPUR - das magisch-animistische Mem (Beginn vor ca. 50.000 Jahren)

Grundthema: „Halte die Geister bei Laune und das Nest des Stammes warm und sicher!“

  • Gehorcht dem Willen der Geistwesen und mystischen Zeichen
  • Ist loyal gegenüber Häuptling, Ältesten, Ahnen und Clan
  • Das Individuum wird der Gruppe untergeordnet
  • Bewahrt heilige Objekte, Orte, Ereignisse und Erinnerungen
  • Befolgt Übergangsriten, jahreszeitliche Zyklen und Stammessitten

    ROT - das impulsiv-egozentrische Mem (Beginn vor ca. 10.000 Jahren)

Grundthema: „Sei was du bist und mach was du willst – ohne jede Rücksichtnahme!“

  • Die Welt ist ein Dschungel, voller Gefahren und Räuber
  • Befreit sich von jeder Vorherrschaft und jedem Zwang, um sich selbst nach eigenem Wunsch zu vergnügen#
  • Ist großspurig, erwartet Aufmerksamkeit, fordert Respekt und kommandiert Aktionen
  • Beansprucht totalen Spaß – sofort und ohne Schuld oder Reue zu empfinden
  • Bekämpft, überlistet und dominiert andere aggressive Charaktere

    BLAU - das zielbewusste-autoritäre Mem (Beginn vor ca. 5.000 Jahren)

Grundthema: „Das Leben hat einen Sinn, eine Richtung und einen Zweck mit vorherbestimmtem Ausgang – Richte Dich danach!“

  • Man opfert sich für einen transzendenten Grund, für die Wahrheit oder den rechtschaffenen Weg
  • Ordnung erzwingt einen Verhaltens-code, der auf ewigen, absoluten Prinzipien beruht
  • Ein rechtschaffenes Leben erzeugt Stabilität in der Gegenwart und garantiert Belohnung in der Zukunft
  • Impulsivität wird durch Schuld kontrolliert, jeder hat den Platz, der ihm zukommt
  • Gesetze, Regeln und Disziplin formen den Charakter und ein moralisches Rückgrat

    ORANGE - das erfolgsorientiert-strategische Mem (Beginn vor ca. 300 Jahren)

Grundthema: „Handle im eigenen Interesse und spiele, um zu gewinnen!“

  • Veränderung und Verbesserung gehören zum Schema aller Dinge
  • Entwickelt sich weiter, indem er von den Geheimnissen der Natur lernt und die besten Lösungen sucht
  • Manipuliert die Ressourcen der Erde, um ein gutes Leben im Überfluss zu kreieren und zu verbreiten
  • Optimistische, risikofreudige und selbstsichere Menschen verdienen Erfolg
  • Gesellschaften gedeihen aufgrund von Strategie, Technologie und Wettbewerb

    GRÜN - das gemeinschaftlich-egalitäre Mem (Beginn vor ca. 150 Jahren)

Grundthema: „Suche Frieden im Innern und erforsche gemeinsam mit anderen die mitfühlenden Dimensionen der Gemeinschaft!“

  • Der menschliche Geist muss von Gier, Dogma und Entzweiung befreit werden
  • Gefühle, Sensitivität und das Für-einander-Sorgen ersetzen kalte Rationalität
  • Verteilt die Ressourcen der Erde und Chancen gleichmäßig unter alle
  • Erreicht Entscheidungen über Prozesse von Ausgleich und Konsens
  • Erneuert Spiritualität, bringt Harmonie und bereichert die menschliche Entwicklung

 

Zweite Ebene: Die Werteordnung des „Seins“

    GELB - das integrative Mem (Beginn vor ca. 50 Jahren)

Grundthema: „Lebe ein erfülltes und verantwortungsvolles Leben als das, was du bist und zu werden lernst!“

  • Das Leben ist ein Kaleidoskop von natürlichen Hierarchien, Systemen und Formen
  • Die Herrlichkeit der Existenz wird höher geschätzt als materieller Besitz
  • Flexibilität, Spontaneität und Funktionalität haben die höchste Priorität
  • Differenzen können in einem miteinander verbundenen, natürlichen Flow integriert werden
  • Versteht, dass Chaos und Veränderung natürlich sind

    TÜRKIS - das holistische Mem (Beginn vor ca. 30 Jahren)

Grundthema: „Erfahre die Ganzheit der Existenz durch Geist und universelles Bewusstsein!“

  • Die Welt ist ein einziger, dynamischer Organismus mit eigenem, kollektivem Geist
  • Das Selbst ist sowohl ein eigenständiger, als auch ein mit einem größeren, mitfühlenden Ganzen verbundener Teil
  • Alles ist mit Allem in ökologischer Ordnung verbunden
  • Energie und Information durchdringen das gesamte Umfeld der Erde
  • Holistisches, intuitives Denken und kooperatives Handeln werden erwartet

 

„Was ich vorschlage ist, dass die Psychologie des reifen, menschlichen Wesens ein sich entfaltender, wachsender, oszillierender, spiralförmiger Prozess ist, gekennzeichnet durch progressive Unterordnung älterer Verhaltenssysteme niederer Ordnung unter neuere Systeme höherer Ordnung und zwar in dem Maße, wie die existentiellen Probleme des Menschen sich verändern.“ - Dr. Clare Graves (1914-1986), US-Psychologe

 

Abschließende oder öffnende Hinweise:

1. Jede Stufe ist charakterisiert durch spezifische Motive und Werte, Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster. So schärft sich der Blick für den Entwicklungsstand eines Systems sowie eine gewisse Vorhersagbarkeit für eine sinnvolle künftige Ausrichtung; denn: die jeweils folgende Stufe ergibt sich nicht beliebig einfach so, sondern immer als Lösung von Problemen, die eben auf der bisherigen – zunächst erfolgreichen – Stufe entstanden waren.

2. Während in der ersten Ordnung noch davon ausgegangen wird, dass die jeweilige Sichtweise, Werteordnung usw. „absolut“, also nur diese „richtig“ sei, wird in der zweiten Ordnung jede Stufe als sinnhaft respektiert und bestmöglich integriert.

3. Ein Mensch oder System ist eher selten nur z.B. „blau“, „orange“ oder „grün“. Wir alle tragen die gesamte Spirale – wie die DNA – in uns und können unterschiedliche Ebenen erreicht haben.

Mögliche Fragen könnten nun sein:

Handelt es sich hier um ein Denkwerkzeug, das uns helfen kann, die Arbeit mit und an unserer Strategie zu erleichtern, zu ergänzen, zu verbessern – oder braucht es das nicht wirklich?

Ist SDi eventuell gar eine unliebsame Konkurrenzveranstaltung oder vielleicht doch ein willkommener Leitfaden, um unsere Ressourcen oder die Strategie unserer Klienten noch bewusster, noch gezielter oder gar sinnvoller auszurichten? Wie kann SDi neue Möglichkeiten der Intervention eröffnen in einer Zeit, da uns „Diversity Management“ im unternehmerischen oder Integration auf der gesellschaftlichen Ebene vor immense Herausforderungen stellen?

Ich hoffe sehr, dass ich hier einen ersten Eindruck verschaffen konnte und vielleicht Lust auf mehr! Zu empfehlen ist das Buch: Spiral Dynamics von Don E. Beck/C. Cowan. Weitere Infos gibt es unter: spiraldynamics-integral.de

Über den Autor:
Michael G. Franz – Anwender der Mewes-Strategie seit 1992; absolvierte eine Fortbildung zum „Social Architect“ nach SDi; Schwerpunkte seiner Arbeit: Lerndesign und Talentcoaching, Motivation und mentale Fitness im Bildungswesen und Leistungssport. Mehr auf  m-g-franz.de

 

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