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Mut zur „Imperfect Action“

Dr. Renée Moore nennt typische deutsche Erfolgs-Engpässe

Ein Blick von außen auf das eigene Handeln bringt oft neue Aspekte. Die Amerikanerin Dr. Renée Moore hat einige typisch deutsche Engpässe herausgearbeitet, durch die „wir uns“ gern selbst im Weg stehen und plädiert u.a. für mehr Mut zur Unvollkommenheit.

Ich liebe es, Menschen dazu zu ermutigen, ihr Leben aktiv zu gestalten, statt nur darauf zu reagieren, was das Leben ihnen gibt. Wir alle sind mit einer besonderen Bestimmung auf die Welt gekommen, und es liegt in unserer Verantwortung, diesen besonderen Zweck zu erfüllen. Für mich bedeutet das, Geschäftsinhabern in Europa Unternehmenserfolg zu ermöglichen und Verkaufsstrategien weiterzugeben.

Entscheidend ist die Frage: Bist du ein „Creator” oder ein „Reactor”? Zwei Wörter mit genau denselben Buchstaben und mit gleichzeitig fundamental unterschiedlicher Bedeutung. Ein „Creator” gestaltet, agiert aktiv und hat keine Angst davor, Fehler zu machen. Ein „Reactor” dagegen, der Begriff sagt es schon, reagiert nur auf das, was passiert. Er geht nicht voraus, er läuft hinterher. Durch dieses Verharren in der Passivität versagt er sich die Freiheit, das eigene Leben und das eigene Business zu gestalten.

Typisch deutscher Mythos: Ohne belegbare
Qualifikation kein unternehmerischer Erfolg.

Unternehmensinhaber sind naturgemäß risikofreudige Menschen. Sie nehmen berechenbare und manchmal auch nicht berechenbare Risiken in Kauf, um ihr Unternehmen aufzubauen, auf Erfolgskurs zu bringen und sogar ein ganzes Firmenimperium daraus zu machen. Aber es gibt natürlich auch jede Menge Unternehmer, die sich ihr Geschäftsleben lang so „durchwurschteln“, ganz viel Lebenszeit ins eigene Unternehmen investieren und doch niemals das große Geld verdienen.

Grund dafür ist häufig, dass diese Menschen vom „Creator“- in den „Reactor“-Modus umschalten, wenn Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg auftauchen. Ein Produkt floppt, ein Mitbewerber schnappt dir mehrmals hintereinander einen Auftrag vor der Nase weg, ein anderer bringt vor dir eine Innovation auf den Markt, an deren Entwicklung du selbst seit einem Jahr arbeitest. Das tut weh, und Selbstzweifel machen sich breit. Gleichzeitig braucht es in solchen Phasen mutige Entscheidungen und gewagte Schritte, um wieder voranzukommen und den nächsthöheren Level von Erfolg und Profitabilität zu erreichen.

Das Haupthindernis, um ein Creator zu werden, ist Angst. Denn sie hindert uns daran, zu einem größeren Selbst zu werden. Sie ist sprichwörtlich eine alte „Programmierung“ und sitzt in unserem Unterbewusstsein. Evolutionär gesehen ist Angst absolut notwendig, um uns in lebensbedrohlichen Situationen zu schützen. Aber viele unserer Ängste sind „hausgemacht“, erlernt durch die Warnungen um uns besorgter Menschen. Klettere nicht auf den Baum, du könntest herunterfallen und dir den Arm brechen. Lass es lieber mit der Schauspielschule. Die kostet viel Geld und dann schaffen es doch nur die wenigsten. Angst wird uns ab frühester Kindheit „eingeimpft“.

Daher fühlen wir uns als Erwachsene oft so zerrissen zwischen dem, was wir gerne tun würden, und dem, was wir uns tatsächlich trauen zu tun. Angst bremst uns aus und hält uns klein und verhindert so, dass wir unsere am meisten angestrebten Ziele erreichen. Interessanterweise ist es dabei weniger die Angst vorm Versagen, die uns zurückhält – es ist vielmehr die Angst vor dem Erfolg, die uns auf eingefahrenen Schienen festhält.

Unglücklicherweise gibt es jede Menge Mythen, die sich hartnäckig halten, weil wir meinen, sie seien Realität, und durch ihr machtvolles Wirken Erfolge verhindern. Ich liebe es, diese Mythen aufzudecken und leide ehrlich mit den Menschen, wenn ihnen bewusst wird, dass sie den Wert ihrer Leistung jahrelang über etwas definiert haben, was einfach nur ein Mythos ist.

Einer der größten Mythen, insbesondere in Deutschland, ist: Ohne belegbare Qualifikation kein unternehmerischer Erfolg. Ohne Hochschulabschluss kein unternehmerisches Wachstum. Ganz gleich, wie viel Leidenschaft und Herzblut du investierst, ganz gleich, wie viele positive Rückmeldungen du erhältst, viele Menschen schätzen ihre eigene Leistung zu gering, wenn sie keine passende Qualifikation vorzuweisen haben, und bremsen sich damit selbst aus.

Wenn es stimmt, dass wir wirklich gut nur in dem sein können, was wir auch erlernt haben, hätte es mir nie gelingen dürfen, eine Vielzahl von profitablen Unternehmen aufzubauen. Ich habe zwar einen Doktortitel, aber eben in Neurowissenschaften und nicht in Ökonomie. Mir hat niemand beigebracht, wie man ein Unternehmen aufbaut. Dafür habe ich mir meine eigene Strategie entwickelt, und ich habe diese Strategie immer wieder getestet und verfeinert, bis sie zum Erfolg geführt hat, und das mehrfach.

Finde heraus, worin du Experte bist und worin deine
Passion liegt. Das ist der Schlüssel für deinen Erfolg.

Es kommt nicht darauf an, ob du einen Abschluss oder eine Ausbildung in dem hast, was du tust, es kommt allein darauf an, ob du richtig gut in dem bist, was du tust und ob du es mit Leidenschaft tust. Finde heraus, worin du Experte bist und worin deine Passion liegt. Das sind die einzig wahren Schlüsselelemente für deinen Erfolg. Erfolgreiche Menschen – egal wo auf der Welt – haben eines gemeinsam: Sie lassen nicht zu, dass ihre Ängste sie von ihrem Ziel abhalten. Sie pfeifen auf Perfektionismus und machen einfach.

Das nenne ich Imperfect Action. Wenn wir immer warten, bis der „richtige Moment“ kommt, bis alles perfekt ist, sind andere wahrscheinlich schon längst an uns vorbeigezogen. Imperfect Action heißt zu handeln, anstatt in der Dauerwarteschleife der Reife zur Perfektion zu verharren. Imperfect Action heißt aber natürlich auch, bewusst das Risiko einzugehen, dass auch mal etwas in die Hose geht.

Bei vielen Menschen in Deutschland erlebe ich folgenden Glaubenssatz: Nur wenn ich etwas perfekt oder wenigstens annähernd perfekt mache, mache ich es gut genug, dass meine Leistung es wert ist, von anderen anerkannt und entsprechend entlohnt zu werden. Eine weit verbreitete, kulturell verankerte Denkweise, die viele Menschen davon abhält, so richtig in den Erfolg zu kommen. Wie heißt es so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Wer nicht den Mut aufbringt, auch mal von einer Klippe zu springen und auf dem Weg nach unten das Flugzeug zu bauen, wird viele Chancen liegen lassen. Profitabel sind die Ideen, die zum Kunden führen und dort verkaufen und nicht jene, die noch im Regal sitzen und darauf warten, endlich perfekt zu werden. Die gute Nachricht ist: Mit Imperfect Action erfolgreich zu werden, kann man lernen. Zu Beginn erfordert es schon etwas Mut, aber mit jedem Erfolgserlebnis wird es einfacher, diesen Mut aufzubringen und es ebenso auszuhalten, wenn das Flugzeug einmal nicht fertig wird, bevor man unten ankommt.

Das heißt konkret, du kannst es ruhig wagen, heute einen dreitägigen Workshop auf den Markt zu bringen, der nächste Woche startet und von dem du bisher nur die ersten beiden Tage inhaltlich finalisiert hast. Vielleicht wird der dritte Tag noch nicht ganz rund laufen und vielleicht kommst du sogar mal ins Schwimmen, aber du hast zwei top Tage abgeliefert und deine Teilnehmer begeistert. Du rundest deinen Workshop charmant mit einem geselligen Get-together ab und machst es beim nächsten Mal einfach noch besser. Gewinnen wird schließlich nur der, der ein kalkulierbares Risiko eingeht, seine guten Ideen, ob vollkommen oder nicht, nach vorn bringt und in die Welt und damit zum Kunden trägt.

Weitere Info: www.reneemoore.com

 

 

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