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In seinem Werk lebt er weiter

Eine Würdigung zum Tod von Prof. h.c. Wolfgang Mewes

Wir betrauern den Tod unseres Lehrers und Mentors Prof. h.c. Wolfgang Mewes, der am 17.12.2016 in Wiesbaden im Alter von 92 Jahren verstarb. Wolfgang Mewes hat uns über Jahrzehnte hinweg inspiriert und durch seine Engpass-Konzentrierte Strategie vielen von uns eine wirtschaftliche aber auch weltanschauliche Überlebensgrundlage gegeben.

Wolfgang Mewes wurde am 30. Mai 1924 in Berlin geboren. Am Ende des Krieges war er 21 Jahre alt und erkannte einen Engpass in der mangelnden Ausbildung großer Bevölkerungsteile in der Nachkriegszeit. Mewes spezialisierte sich zunächst auf die betriebswirtschaftlichen Kernbereiche der Buchhaltung und Bilanzierung sowie des Steuerrechts, für die er in den 1950er-Jahren Lehrgänge u.a. für die Studiengemeinschaft Darmstadt zu entwickeln begann.

Im Jahr 1951 startete er mit dem ersten Fernlehrgang für Bilanzbuchhalter und gründete für den Vertrieb seiner Lehrmaterialien den Mewes-Verlag. 1958 entwickelte Mewes den inzwischen klassischen Lehrgang „Der praktische Betriebswirt“. Es folgten weitere Lehrgänge aus seiner Feder. Mewes beriet und coachte in den folgenden Jahrzehnten tausende Angestellte, Freiberufler und Unternehmer.

Wolfgang Mewes entdeckte
allgemein gültige, naturgesetzliche Erfolgsprinzipien.

Systematisch beobachtete Mewes die berufliche Entwicklung der Lehrgangsteilnehmer. So entdeckte er allen gemeinsame grundlegende Erfolgsprinzipien. Diese in den Jahren 1966-1972 durchgeführten Analysen führten ihn zu der Erkenntnis, dass es letztlich die gewählte Strategie und ihre Umsetzung sind, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Die Ergebnisse dieser Studien fasste Mewes in der „Engpass-Konzentrierten Verhaltens- und Führungsstrategie“ (EKS) zusammen.

Kernpunkt ist die Bündelung der persönlichen und unternehmerischen Kräfte zu einem unverwechselbaren Profil. Durch eine solche Konzentration der Kräfte kann für eine klar definierte Zielgruppe eine Spitzenleistung mit zwingendem Nutzen entwickelt werden. Dazu muss man sich auf den kybernetisch wirkungsvollsten Punkt konzentrieren: Die Lösung des aktuellen Minimumfaktors.

Zur Verbreitung und Förderung seiner Strategie gründete Mewes 1970 mit seinen Mitstreitern die Leistungsgemeinschaft (EKS) e.V., die heute unter der Bezeichnung Bundesverband StrategieForum e.V. firmiert. 1973 nahm er einen Lehrauftrag für Unternehmenspolitik an der Universität Würzburg wahr. In den Folgejahren wurde der EKS-Lehrgang von zig-tausenden Menschen absolviert. Der Erfolg unzähliger namhafter Unternehmen basiert darauf.

1989 wurde der Mewes Verlag an die FAZ Informationsdienste GmbH verkauft. 1996 gingen die Nutzungsrechte an die Deutsche Weiterbildungsgesellschaft (DWG). Schließlich im Jahr 2008 an das Malik Management Zentrum St. Gallen. Beim EKS-Kongress in Zürich im Jahr 2009 konstatiert Prof. Fredmund Malik „Die Engpass-Konzentrierte Strategie ist nicht nur eine Methode, sondern es ist DIE Methode, erfolgreich zu sein als Unternehmer! Es ist DIE Methode, mit der man auf dem Gebiet, auf dem sie angewendet wird, tatsächlich Wunder wirkt!“

1984 erhielt Mewes die Verdienstmedaille der IHK Frankfurt, die Beratergruppe Strategie wählte ihn zu ihrem Ehrenmitglied und die Leistungsgemeinschaft (EKS) e.V. zum Ehrenaufsichtsratsvorsitzenden auf Lebenszeit. 1988 wurde Mewes das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen und 1989 die Ehrenplakette „Für besondere Förderung der Frankfurter Wirtschaft“ der IHK Frankfurt. Im Jahr 2000 wurde er zum Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Baukybernetik e.V. in Salzburg erhoben.

Wolfgang Mewes ist immer den Weg vom praktischen
Fall zur theoretischen Erkenntnis gegangen.

2004 erfolgte die Ernennung zum Ehrenprofessor der PEF Privatuniversität für Management in Wien. Im selben Jahr wurde er Ehrenmitglied der GABAL e.V. Auf dem EKS-Kongress 2009 in Zürich wurde ihm für sein Lebenswerk der Malik EKS-Ehrenpreis verliehen. 2010 erhielt er den Life-Achievement-Award der Deutschen Weiterbildungsbranche. Im Jahr 2012 verlieh ihm der Bundesverband StrategieForum e.V. den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

In seiner Rede zu Mewes‘ 70. Geburtstag im Mai 1994 analysierte der im Jahr 2007 verstorbene Dr. Fritz Stoebe, was Wolfgang Mewes besonders auszeichnete: „(…) Wolfgang Mewes ist immer den Weg vom praktischen Fall zur theoretischen Erkenntnis gegangen. Ein Empiriker par exellence, jedoch mit hohem geistigen Anspruch. Seine Lehre ist durch Erfahrungen in vielen tausend Fällen belegt. Der Lateiner Phädrus würde sagen: ‚Erfahrung weiß viel mehr als die Propheten‘.

Als ein nach Erkenntnis Strebender hat er immer den Weg zu den Quellen gesucht. Dabei machte er die Erfahrung: ‚wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen‘.

So ist Wolfgang Mewes immer gegen den Strom vieler Meinungen und des Zeitgeistes geschwommen. Seine Aussagen haben viele schockiert:

  • Alle Bilanzen sind falsch.
  • Ihre Strategie ist falsch.
  • Das Bildungswesen ist falsch programmiert.

Diese und andere Stellungnahmen haben ihm Kritik, Widerspruch und auch Anfeindungen eingebracht. Er hat das durchgestanden. Dabei blieb ihm die Erfahrung nicht erspart, die der Philosoph Lichtenberg so ausdrückte: ‚Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen‘. Und Wolfgang Mewes hat einige Bärte überholter Anschauungen versengt. Wie alle schöpferischen Menschen ist er immer ein Unbequemer, ein Querdenker geblieben. (...)

Wolfgang Mewes ist immer gegen den Strom vieler Meinungen und
des Zeitgeistes geschwommen.

[Die Engpass-Konzentrierte Managementlehre] ist der bedeutsame und erfolgreiche Versuch, die aus dem Evolutionsablauf dieser Welt erkennbaren Gesetzmäßigkeiten als lebenserhaltende und lebensfördernde Prinzipien auf die Entwicklung des Menschen und seiner sozialen und wirtschaftlichen Systeme anzuwenden. Hier ist Wolfgang Mewes ein großer Wurf gelungen.“ Als besondere Aspekte zur Charakterisierung der Mewes Strategie hob Stoebe hervor:

  • die Bedeutung der geistig-psychischen Wirkfaktoren für die Veränderung materieller Strukturen;
  • das Nutzen der Kräfte des Unterbewusstseins für die Entwicklung von Intuition und Kreativität;
  • das Verändern und Verbessern energetischer Spannungsverhältnisse zur Nutzung unsichtbarer Kräftepotenziale;
  • das Auslösen kybernetischer Selbststeuerungsautomatismen in vernetzten Systemen;
  • das Finden der kybernetisch wirkungsvollsten Punkte für den Einsatz von Nutzenstrategien;
  • das Überwinden egozentrischen Denkens und Handelns durch Verbesserung des Nutzens für andere;
  • das Überwinden kapitalistisch-materieller Zielvorstellungen zur Gewinnmaximierung durch Steigerung der Anziehungskraft im Markt und Erhöhung des Nutzenbeitrags für die Umwelt.

Kurz nach seinem Studium arbeitete Hans Bürkle für den Mewes Verlag. Als Assistent lernte er Mewes‘ Vorgehensweise bei der Lehrgangsentwicklung gut kennen. „Manche Texte schrieb er 50 mal neu – bis er sicher war, dass seine Ideen verstanden wurden und ankamen“, so Bürkle. In dieser Zeit haben Mewes und Bürkle Hunderte von Lehrgangsteilnehmern kostenlos beraten, um Erfolge zu produzieren. So wurde die Mewes Strategie immer wieder am praktischen Fall ergebnisorientiert überprüft.

In seiner Trauerrede im Januar 2017 führt Hans Bürkle aus: „(...) Wolfgang Mewes hat mit seiner EKS-Strategie eine universell anwendbare Systemlehre geschaffen. Sie ist gleichermaßen sofort umsetzbar für persönliche und unternehmerische Erfolge. Und darüber hinaus bietet sie die Lösung für unsere heutigen gesellschaftlichen Probleme.

Die praktischen Wirkungen der EKS sind durch unzählige
Wissenschaftler bestätigt worden.

Die EKS führt weg von dem materialistisch-mechanistisch vordergründigen Denken, das uns allen anerzogen worden ist. Der evolutionskonforme Ansatz führt zu einem energetisch-organischen ganzheitlichen Denken. Der für Mensch, Unternehmen und Volkswirtschaft früher relevante Erfolgsfaktor Kapital ist längst von dem entscheidenden Faktor Geist abgelöst worden. Die immateriellen Werte dominieren die materiellen. Sie führen weg vom Konkurrenzdenken und hin zu einer Kooperationsorientierung.

Seine EKS-Strategie schafft die starke Verbindung von Eigen- und Gemeinnutz. Das heißt, dass man seinen eigenen Erfolg dadurch erheblich steigert, indem man seiner Zielgruppe und über sie hinaus seiner Mitwelt einen deutlichen Nutzen bietet.

Die EKS ist die Antwort auf die Forderung des Philosophen Karl Jaspers, ‚eine grundsätzlich neue soziale Verhaltensweise zu entwickeln‘. Damit die Menschheit überlebt. Nach Jaspers müsse sie drei Kriterien erfüllen: von jedem lern- und umsetzbar sein, für jeden so vorteilhaft sein, dass er sie aus eigenem Antrieb anwendet, das Denken und Handeln zunehmend stärker auf das Gemeinwohl ausrichten.

Wolfgang Mewes beschreibt mit der EKS-Strategie diesen von Karl Jaspers geforderten Weg, der die kapitalistischen und sozialistischen Vorteile miteinander verbindet. Sie ist die neue Überlebensstrategie.

Die praktischen Wirkungen der EKS sind durch Wissenschaftler aus Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Neurologie, Psychologie, Pädagogik, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Philosophie, Metaphysik, Religion und fernöstlichen Weisheitslehren anerkannt und bestätigt worden. Die Verleihung des Nobelpreises als Würdigung seines Lebenswerkes wäre für Wolfgang Mewes angemessen gewesen.“

Wir verneigen uns vor Wolfgang Mewes. Wir danken ihm für die Inspiration, die Orientierung und seine Freundschaft. Unser Dank und unser Mitgefühl gelten auch Vera Mewes, die ihn – immer an seiner Seite – in seinem Wirken tatkräftig unterstützt hat.

 

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