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Es gibt immer etwas zu verbessern

Haaß Sanitär Heizung ist Vorreiter bei der Digitalisierung im Handwerk

Jeder kennt die Klischees zum Thema Handwerk: beratungsresistent, unflexibel, chaotisch, intransparente Leistung, Pfusch am Bau … Das geht aber auch anders. Das Handwerk kann Vorbild sein für einen Prozess, der heute unter dem Begriff Digitalisierung in aller Munde ist. Und plötzlich entsteht ein völlig neues Unternehmen. – Von Thomas Rupp

Wann haben Sie zuletzt einen Handwerker beauftragt? Wenn es sich um das Bauhandwerk handelt, liegt die erste Hürde meist schon darin, überhaupt einen Termin zu bekommen. Wenn dann nach einigen Wochen der Chef vorbeikommt, um sich die Situation vor Ort anzuschauen, sind Sie nicht wirklich einen Schritt weiter. Oftmals dauert es nämlich weitere Wochen bis sein Angebot auf Ihrem Tisch liegt.

Wenn alles gut geht, beginnen dann irgendwann die Arbeiten, die sich je nach Auftragslage und Dringlichkeitsstatus anderer Kunden recht lange hinziehen können. Angenommen, der Auftrag wird am Ende zu Ihrer Zufriedenheit ausgeführt und abgeschlossen, dann sind Sie noch lange nicht fertig. Meist dauert es noch einige Wochen, bis Sie endlich die Rechnung erhalten und bezahlen dürfen.

Die erste Hürde beim Handwerker liegt schon
darin, überhaupt einen Termin zu bekommen.

Wenn Sie jetzt noch ein Unternehmen erwischt haben, das professionelle Arbeit geliefert hat, auch in Notfällen erreichbar ist und hier zeitnah anrückt, dann haben Sie eigentlich so richtig Glück gehabt. Dies wird insbesondere bei Heizungsanlagen im Winter schnell plausibel. Gerade im Sanitärbereich hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan. Die zahlreichen Anlagen erfordern ein hohes praktisches Wissen bzgl. Technik, Installation und Verarbeitung, bis hin zu den Schnittstellen zu anderen Gewerken.

Das Unternehmen Haaß Sanitär Heizung in Mönchengladbach gibt es seit dem Jahr 1987. Sein Gründer Georg Haaß hatte bereits von Anfang an eine gewisse Affinität zu Computern, sicherlich eines der Vorzeichen für die spätere Entwicklung. Heute trifft man seine Tochter Kathrin de Blois auf zahlreichen Veranstaltungen der Branche aber auch bei den Jungen Unternehmern oder Beraterverbänden.

Dort berichtet sie über ein Musterbeispiel dafür, wie ein Handwerksbetrieb die Digitalisierung als Chance nutzen konnte, um so ziemlich allen Klischees der Handwerksbranche nachhaltig zu entkommen. Sie berichtet über Haaß Sanitär Heizung.

Ich muss gestehen, vor ihrem Vortrag fehlte mir etwas die Phantasie, wie sich Digitalisierung im Handwerk sinnvoll umsetzen ließe. Aber jetzt weiß ich: es lässt sich eigentlich so ziemlich alles digital lösen außer vielleicht das „Hand“-Werk selbst. Digitalisierung bedeutet die Abbildung und Verarbeitung aller Geschäftsvorgänge anhand elektronischer Hilfsmittel, das Schaffen von neuen und individuelleren Berührungspunkten (Touch-Points) mit den Kunden, das Einrichten von Schnittstellen zu Lieferanten zum vereinfachten Datenaustausch, die Beobachtung des Marktes mit all seinen Teilnehmern und Entwicklungen sowie: die Anpassung sämtlicher Arbeitsprozesse an die neuen Strukturen.

Kathrin de Blois war in den letzten Jahren die treibende Kraft hinter der Digitalisierung ihres Betriebs. Ihr Vater und Bruder stehen voll hinter dem Konzept und unterstützen sie nach Kräften. Ohne dass die komplette Führungsmannschaft hinter den Änderungen steht, wird sich der Erfolg nicht einstellen, ist sie überzeugt. Inzwischen entfaltet das „neue Unternehmen“ eine vorher kaum vorstellbare Dynamik.

Hier einige Beispiele:

Im Einkauf werden heute alle digitalen Eingangsrechnungen und Lieferscheine direkt verbucht. Der exakte Jahresbedarf an Material ist – über alle Abteilungen hinweg – auf Knopfdruck verfügbar. Ein Materialwirtschaftssystem ermöglicht jederzeit einen Vergleich von Soll-Ist-Werten. Nachkalkulation wird hier zum Kinderspiel, und man weiß, ob man Geld verdient oder drauflegt.

Durch dieses System werden tatsächlich 100% der Rechnungen im Detail geprüft. Früher waren es nur 60%. Im Ergebnis bedeutet dies eine signifikante Reduzierung von Fehlmengen und eine Einsparung im Materialeinkauf von über fünf Prozent innerhalb von 2 Jahren.

Wie bereits erwähnt, werden die Arbeitsprozesse digital abgebildet. Dies bedeutet eine intensive Beschäftigung damit, wie diese sich überhaupt optimal gestalten lassen. Kathrin de Blois weiß, dass sie den Handwerkern draußen nicht erzählen muss, wie die-se ihren Job zu machen haben. Aber die Mitarbeiter werden von ihr darin bestärkt, die digitalen Arbeitsprozesse aktiv mitzugestalten. Also: Wo kann Digitalisierung für das Fachpersonal vor Ort und den Kunden einen tatsächlichen Mehrwert bieten?

Man kann sich gut vorstellen, dass es nicht immer leicht ist, solch einen Prozess in einem Handwerksbetrieb einzuführen. Wenn jedoch einmal die Vorteile dieser Herangehensweise von den Mitarbeitern erlebt wurden, kann anfängliche Skepsis schnell in Euphorie umschlagen.

Ein großer Vorteil: Das Fachpersonal kann sich komplett auf die eigenen Kernaufgaben konzentrieren. Alle Mitarbeiter haben Zugriff auf ihre Projektdaten wie z.B. offene Arbeiten, Wirtschaftlichkeit oder Produktivität. Eine hohe Transparenz sorgt dafür, dass sich Mitarbeiter verantwortlich fühlen für das Gesamtergebnis, an dem sie beteiligt sind.

Eine hohe Transparenz sorgt dafür, dass
sich Mitarbeiter mit verantwortlich fühlen.

Man steht ständig in Kommunikation und sammelt über ein betriebliches Vorschlagswesen systematisch Verbesserungsvorschläge. Die Produktivität der Techniker erhöhte sich spürbar. Im Ergebnis konnten durch die Optimierung der Prozesse bei Haaß Sanitär Heizung im Projektbereich rund 2.500 Arbeitsstunden einge-spart werden.

Ganz offensichtlich führte der Digitalisierungsprozess zu einer völlig neuen Dynamik, die bei potenziellen Mitarbeitern aber auch Auszubildenden gut ankommt. Das Durchschnittsalter der über 40 Angestellten liegt bei 28 Jahren. Das ist nicht zuletzt dem Recruiting über die Internetseite und Social Media geschuldet. Auch das ist ein Baustein der Digitalisierungsstrategie. Das Ergebnis: Quantität und Qualität der Bewerber nehmen zu.

Konsequenterweise fließt der größte Anteil des Marketing-Budgets in Google-AdWords-Kampagnen, Social Media und die eigenen Internetseiten. Diese Werbemaßnahmen sind zielgerichteter und damit auch wirksamer. Zudem lassen sich die Ergebnisse recht gut kontrollieren. Ein interessantes Detail: Die Digitalisierung selbst dient inzwischen als enormer Image- und Werbeträger. So wird Haaß Sanitär Heizung als innovatives und leistungsfähiges Handwerksunternehmen wahrgenommen.

Auch im Verkauf entstehen neue Möglichkeiten, Kunden zu gewinnen bzw. besser und schneller zu bedienen. So sind alle Mitarbeiter mit Smartphones ausgestattet, um z.B. Ersatzteile direkt zu bestellen. Beim Kundengespräch präsentieren die Fachberater die Unternehmensleistungen mit dem Tablet. Je nach Wunsch des Kunden können verschiedene Optionen durchgespielt werden. Das Angebot wird dann mit geringem Kosten- und Zeitaufwand automatisiert erstellt.

Eine andere Form, um ein Angebot zu erhalten bietet der „Heizungskonfigurator“ auf der Website von Haaß Sanitär Heizung. Dieser bietet potenziellen Kunden die Möglichkeit, alle relevanten Daten für die Angebotserstellung einzugeben. Diese fließen direkt in die Datenbank des Unternehmens. Und auch hier wird ein Angebot automatisch berechnet und erstellt.

Wenn es der Kunde möchte, kann er nach der Abnahme der handwerklichen Leistungen direkt vor Ort per EC-Karte bezahlen. Dazu wird die Rechnung mit einem portablen Drucker im Auto ausgedruckt. Die Zeit bis zum Zahlungseingang im Kundendienst reduzierte sich seither von acht auf drei Tage.

Zu Beginn der systematischen Digitalisierung im Jahr 2001 hatte Haaß Sanitär Heizung knapp über zehn Mitarbeiter. Heute sind es 42, davon 12 Auszubildende. Die gesamte Führungsebene und die meisten Mitarbeiter haben eine positive Einstellung zu Digitalisierung und Veränderung. Das ganze Unternehmen hat ein hohes Maß an Transparenz und Entscheidungskompetenz gewonnen. Aktuelle Auswertungen wie z.B. Umsatz oder Gewinn des Unternehmens sind mit wenigen Klicks möglich. Damit können strategische Entscheidungen aufgrund fundierter Auswertungen kurzfristig getroffen werden.

Wenn es der Kunde möchte, kann er nach der
Abnahme direkt vor Ort per EC-Karte bezahlen.

Und wie sieht die weitere Entwicklung der Zukunft aus? Kathrin de Blois rechnet fest damit, dass die Digitalisierung im Handwerk weiter Einzug finden wird. Z.B. wird der Einsatz von Building Information Modeling (kurz: BIM) ab 2020 bei großen und öffentlichen Neubauten zur Pflicht. Dieses BIM beschreibt eine Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden mit Hilfe von Software. Dabei werden alle relevanten Gebäudedaten digital erfasst, kombiniert und vernetzt.

Wenn auch mit erheblichen Kraftanstrengungen verbunden, so hat sich der Prozess für Haaß Sanitär Heizung doch eindeutig gelohnt. Außerdem macht es auch Spaß, wenn man sieht, wie die Rechnung aufgeht und alle an einem Strang ziehen. Und abgeschlossen ist der Prozess nie, wie Kathrin de Blois versichert: Es gibt immer etwas zu verbessern.

Weitere Infos:
www.haass-haustechnik.de

 

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