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Ein Startup mit Google-Potenzial

Das Berliner Startup AVA scannt globale Bedrohungen in Echtzeit

Das Berliner Startup AVA nutzt rein technisch alles, was im Bereich Big Data und Deep Data möglich ist. All das kombiniert mit einem hohen Maß an Kreativität und einem Gespür für die großen Themen unserer Zeit. So gesehen, könnte Dr. Pero Mićić völlig richtig liegen, wenn er seine Vorstellung des AVA-Gründers, Aleksandar Stojanovic, bei den Eltviller Zukunftstagen mit den Worten schließt: „Dieses Unternehmen hat Google-Potenzial“. Hier ein kleiner Einblick in die Expertise des 2014 gegründeten Unternehmens und gleichzeitig ein Reality Check darüber, was heute schon alles durch die Auswertung von Daten möglich ist. – Von Thomas Rupp

Berlin, Brandenburger Tor an einem sonnigen Samstag im Mai. Es ist der erste fast schon hochsommerliche Tag des Jahres. Tausende Menschen flanieren gutgelaunt im Tiergarten, passieren das Brandenburger Tor in Richtung Unter den Linden, beklatschen Straßenkünstler, machen Fotos ... Plötzlich steht ein Mann direkt vor dem Brandenburger Tor, schreit „Allahu akbar“. Zwei weitere stehen gerade mal 100 Meter entfernt auf dem Pariser Platz. Alle tragen Sprengstoffgürtel. Panik bricht aus. Menschen rennen schreiend davon, überrennen sich gegenseitig. Noch ist nicht viel passiert ...

Wie es weitergeht, ist für uns an dieser Stelle nicht entscheidend. Eines ist aber klar: Hier ist schnellste Handlung gefragt von Polizei, Rettungskräften, Spezialeinheiten etc. Je schneller sie von dieser Situation erfahren, desto besser. Minuten können Leben retten. Bei den Eltviller Zukunftstagen der FutureManagementGroup berichtet Gründer Aleksandar Stojanovic von seinem Startup AVA mit Sitz in Berlin. Seit geraumer Zeit arbeitet man mit den Behörden in London zusammen. Der Job: genau solche Szenarien schnellstmöglich zu erkennen. Und im Falle des Anschlags auf der London Bridge im Juni 2017 haben die AVA-Systeme diesen Anschlag vier Minuten schneller wahrgenommen als die Polizei. Am Ende des Beitrags wissen Sie, wie dies möglich ist.

Ein Anschlag kann oft über seine Verlaufskurve
in den Sozialen Medien rekonstruiert werden.

AVA fokussiert sich auf sogenannte Incidents, sprich: Vorfälle. Jedem Incident liegt ein Report zugrunde. Also der Incident wäre z.B. ein Unfall. Der Report wäre ein Tweed, der darüber berichtet oder ein eingehender Anruf bei der Polizei etc. Irgendwo gibt es zu jedem Incident einen ersten Report. Je schneller man den ersten zuverlässigen bzw. für den Incident relevanten Report „abfängt“ und interpretiert, desto schneller kann man auf den Vorfall reagieren.

„AVA ist wie die Wettervorhersage“, erläutert Stojanovic. „Nur eben machen wir das nicht für Wind, Regen und Sonne, sondern für persönliche und öffentliche Sicherheit. Wir beschäftigen uns mit Kriminalität, Terrorismus, Naturgewalten, industriellen Risiken ... Das sind alles Dinge, die Risiken darstellen für Leib, Leben und Eigentum.“

Jeder Incident – z.B. auch der fiktive Terroranschlag am Brandenburger Tor – hat eine Verlaufskurve in den Social Media. Im Nachhinein kann man meist die gesamte Timeline des Vorfalls anhand von Tweeds und Facebookeinträgen, Meldungen von Behörden und Medien etc. rekonstruieren. Was aber wäre, wenn dies in Echtzeit möglich wäre.

Sprich: die Daten würden sofort nachdem sie abgesetzt wurden, ausgewertet und interpretiert. Dann könnte man quasi die Gegenwart „überholen“ und so in die potenzielle Zukunft eingreifen. Man könnte allen Leuten z.B. über eine App die Info senden: Zieht euch zurück, es ist gerade sehr gefährlich hier.

AVA versucht all das aus verschiedenen Datenquellen zu simulieren. Neben der Erfassung von Social Media Daten, sowie GSM- und GPS-Logfiles in Echtzeit werden auch unglaubliche Mengen an statistischem Material ausgewertet. Dazu verwendet AVA Statistiken der UNO, der WHO, des Statistischen Bundesamts, das CIA Factbook und alle Arten von offenen Daten (open data) der Behörden etc.

„Eines unserer Produkte ist der Location Score“, erklärt Stojanovic. „Damit wird z.B. die Sicherheit eines Ortes bewertet und zwar im Hinblick auf die Vergangenheit: Wie sicher ist der Ort aufgrund statistischer Daten grundsätzlich? Bzgl. der Gegenwart: Wie sicher ist es da jetzt im Augenblick? Und soweit möglich, in der Zukunft: Wie wahrscheinlich sind Risiken an diesem Ort.“

Anwendungen für diese Aussagen gibt es sowohl für Einzelpersonen, die sich z.B. an einem fremden Urlaubsort bewegen, wie auch für Unternehmen, die sich über den Standort eines neuen Werks Gedanken machen.

Das A und O für die Qualität aller Auswertungen ist die Zuverlässigkeit der Daten. So hat bei AVA jede einzelne Datenquelle einen Vertrauensscore mit dem – anhand verschiedener Marker – eingeschätzt wird, mit welcher Relevanz die Daten in die Bewertung einfließen. Gerade bei Social Media ist es sehr wichtig, echte von falschen bzw. authentische von zigfach geteilten Inhalten zu unterscheiden. Auch müssen die Auswertungen in verschiedenen Sprachen möglich sein und die relevanten Daten auch über unstrukturierte Informationen voller Rechtschreibfehler hinweg extrahiert werden.

Jede Datenquelle hat einen Vertrauensscore,
der ihre Zuverlässigkeit einschätzt.

Zum Abschluss noch zwei Beispiele, was durch die Auswertung personenunabhängiger Daten heute schon möglich ist: Geräuschprofile öffentlicher Räume wie z.B. von Bahnhöfen, Einkaufszentren aber auch Fußgängerzonen etc. sind individuell wie ein Fingerabdruck. Der „normale“ Zustand lässt sich erfassen und sobald es zu akustischen Abweichungen kommt, kann z.B. ein Alarm ausgelöst werden.

Stojanovic nennt die Stadt Barcelona als Beispiel. Ein Kooperationspartner von AVA hat sich auf das Triangulieren von Schüssen anhand akustischer Daten spezialisiert. Dazu muss man wissen, dass die neuen Straßenlaternen in Barcelona mit Wlan, Kameras und Mikrophonen ausgerüstet sind. Erste Pilotprojekte laufen jetzt, die es ermöglichen, aufgrund der akustischen Daten z.B. von Schüssen, sofort den Ort des Schützen zu berechnen und aufgrund der Tonfrequenz der Schüsse Schlüsse auf die Beschaffenheit der Waffe zu ziehen. So können die Behörden quasi mit Schallgeschwindigkeit reagieren.

Zurück zum eingangs erwähnten Szenario am Brandenbrger Tor: Durch die Auswertung der Login-Files von Smartphone-Antennen kann man statistische Mittelwerte errechnen, welche Anzahl eingeloggter Personen an einem Ort zum Zeitpunkt X normal ist. Angenommen, am Brandenburger Tor wären das zur betrachteten Stunde 980 Personen. Plötzlich melden die Systeme einen dramatischen Rückgang der eingeloggten Besitzer direkt an der Zelle vor dem Brandenburger Tor. Gleichzeitig loggen sich überproportional viele Smartphones an den angrenzenden Antennen ein.

„Daraus kann man dann menschliches Verhalten ableiten“, erläutert Stojanovic. „Dazu brauchen wir keine individuellen Daten, wir wissen nicht welche Menschen das sind, aber wir wissen, dass da etwas nicht normal ist. Dann wird sofort näher hingeschaut, ob es noch weitere Datenquellen gibt, z.B. Einträge in Social Media, Behörden Auskünfte oder Radiomeldungen etc. Wichtig ist die Kombination aller Datenquellen. Dies gibt uns die Möglichkeit, schnellstmöglich zu verstehn, was da eigentlich genau passiert.“

Weiter Infos:
www.ava.info

 

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