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Der Weg zur Digitalisierungsstrategie

Die vierte industrielle Revolution hat begonnen

Es vergeht kein Tag ohne Berichterstattung in Print, TV oder online zum Thema Digitalisierung. Es geht um die vierte industrielle Revolution, an deren Anfang wir derzeit stehen. Was bedeutet das und was hat das Ganze mit uns zu tun? – Ein Beitrag von Sylvia Steenken.

Nach Dampf, Elektrifizierung und Automatisierung geht es in der vierten Generation um die Vernetzung über das Internet. Diese Vernetzung umfasst die Betriebsprozesse in und zwischen den Unternehmen. Sie umfasst auch die Vernetzung mit den Kunden und die Vernetzung von Maschinen untereinander.

Damit ergeben sich völlig neue Produkt- und Produktionsmöglichkeiten, wie beispielsweise autonom fahrende Busse, die größtenteils per 3D-Druck gefertigt werden (Local Motors). Kunden werden in den Designprozess einbezogen, die Entwicklung geschieht in der Crowd. Mit völlig neuen Marketingprozessen auf Basis von Big Data wird es möglich, die Kunden ganz gezielt mit individuellen Angeboten anzusprechen. Neue Absatzwege über Onlineshops, Marktplätze, virtuelle Kaufhäuser und Bots entwickeln sich. Jede Menge Chancen.

Kleine Start-ups mit schmalem Budget stellen
traditionelle Märkte plötzlich auf den Kopf.

Natürlich kommen auch neue Risiken dazu. Datenschutz, Datensicherheit, Cybercrime, um nur einige zu nennen. Die größte Angst jagen selbst großen Marktführern allerdings kleine Start-ups ein, die plötzlich den eigenen Markt auf den Kopf stellen. Mit wenig Erfahrung, schmalem Budget, aber viel Digitalisierungs-Know-how und dem Mut, Fehler zu machen, revolutionieren diese Start-ups etablierte Geschäftsmodelle wie das Taxifahren (Uber) und die Hotelvermittlung (AirBnB).

Wie positionieren sich kleine und mittelständische Unternehmen zur Digitalisierung?

Sehr unterschiedlich. Manche erkennen ihre Chancen, setzen auf eine digitale Nische und agieren wie die Start-ups, nur mit mehr Erfahrung. Andere realisieren Insellösungen, die sich auf Prozessverbesserungen, einen Onlineshop oder Online Marketing konzentrieren. Andere machen nichts und warten ab. Eine klare Digitalisierungsstrategie haben bisher nur wenige.

Grund hierfür ist oft, dass der tatsächliche und der gefühlte Engpass nicht übereinstimmen. Die Unternehmen wissen noch gar nicht, dass sie in ein Problem laufen. Ursache hierfür ist oft mangelndes Know-how über die Digitalisierung selbst und über die Geschwindigkeit der Marktveränderungen. Sie widmen sich dem Tagesgeschäft statt der Weiterentwicklung des Unternehmens. Viele Unternehmenslenker gehören zudem der Generation der sogenannten Babyboomer an, die ohne Computer, E-Mails, SMS und Handy aufgewachsen sind.

Ihr Umgang mit digitalen Medien ist angeeignet und geprägt von einer latenten Unsicherheit. Entsprechend zurückhaltend gehen sie mit der Integration der Digitalisierung in die Unternehmensstrategie um. Wenn aber erste Schritte in die Digitalisierung von Erfolg gekrönt sind, kommt der Wunsch nach mehr, und der richtige Zeitpunkt für eine umfassende Digitalisierungsstrategie ist gekommen.

Digitalisierung: Welche Ziele verfolgen Unternehmen damit?

Im Wesentlichen sind es drei Ziele:

  1. Umsatzsteigerung durch neue digitale Produkte, Dienstleistungen, Zielgruppen oder gänzlich neue Geschäftsmodelle. An diesem Punkt ist die Digitalisierungsstrategie elementarer Bestandteil der Unternehmensstrategie.
  2. Erhöhung der Kundenbindung durch ein verbessertes Kundenerlebnis und individuelle Angebote. Dieser Aspekt der Digitalisierung ist sehr prozess-, kommunikations- und datengetrieben. Hier geht es besonders um die Bereiche digitales Marketing und digitaler Vertrieb sowie die Supportprozesse.
  3. Interne Effizienzsteigerung durch Kostensenkung und Produktivitätssteigerung. Dieser Bereich ist der Ursprung der Digitalisierung und oft Ausgangspunkt von Digitalisierungsinitiativen. Es geht um die Automatisierung und Vernetzung interner Prozesse.




 

 

 

 

 

Wie verläuft die Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie?

Wir setzen auf die folgenden vier Säulen:

  1. Selbstanalyse
    Auf Basis einer digitalen Selbstanalyse beschäftigt sich das Unternehmen zunächst mit sich selbst. Ziel der Selbstanalyse ist es, die aktuellen digitalen Stärken und Schwächen zu erkennen. Gerade wenn Insellösungen implementiert sind, kann das für die Geschäftsführung sehr erhellend sein („Ach, das machen wir auch schon?“) und der abteilungs- und funktionsübergreifende Dialog beginnt.

  2. Know-how Aufbau
    Die Digitalisierung umfasst ein sowohl breites als auch tiefes Themenspektrum, und es gibt wohl niemanden der alles in der Tiefe versteht und umsetzen kann. Für das Management ist es wichtig, ein generalistisches Know-how aufzubauen, das es erlaubt, die richtigen Themen zu priorisieren und die richtigen Experten einzubinden. Entscheider sollten sich auskennen in den Disziplinen Trendforschung, Strategieentwicklung, Technologien, digitales Marketing, digitaler Vertrieb, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Organisation und Kultur. Als Einstieg kann auch die Fokussierung auf einen Bereich sinnvoll sein.

  3. Teamwork in der Ideenphase
    Digitale Start-ups machen es vor – sie binden in ihre Entwicklungsarbeit ihre Mitarbeiter, aber auch Kunden, Dienstleister, Freelancer und Investoren ein. Sie wollen von Anfang an, die Engpässe ihrer Zielgruppe verstehen und ihre internen Engpässe durch die Einbindung von Kooperationspartnern überwinden. Je mehr externe Impulse wirken, desto einfacher ist es, die gewohnten Wege zu verlassen und neu zu denken.

  4. Begleitete Entwicklung der individuellen Strategie
    Mithilfe einer SWOT-Analyse und auf Basis der Mewes-Strategie geht es im nächsten Schritt an die Priorisierung und weitere Ausarbeitung der Ideen zur vollständigen Digitalisierungsstrategie. Diese umfasst neben den priorisierten Projekten auch Maßnahmen zur Ausbildung der Mitarbeiter, zur Entwicklung der Unternehmenskultur und geht bis zur Anpassung der Organisation. Denn Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein lebenslanger Prozess mit lebenslangem Lernen im gesamten Unternehmen.

Strategieberater und Digitalisierung: Wie kann man sich positionieren?

Jeder Trend – und die Digitalisierung ist ein Megatrend – hat einen Gegentrend. So wird es sehr vereinzelt analoge Geschäftsmodelle auch in Zukunft geben. Für alle anderen gilt: jede Strategie sollte die Chancen und Risiken der Digitalisierung aufgreifen.

Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein
lebenslanger Prozess mit lebenslangem Lernen.

Deshalb bin ich überzeugt, dass Strategieberater zunächst für sich selbst eine Digitalisierungsstrategie entwickeln sollten. Ist es die Positionierung in der (perspektivisch sehr kleinen) analogen Nische? Oder der generalistische Ansatz als Steuermann durch die digitale Transformation mit vielen angeschlossenen Experten? Oder doch die Entwicklung zum Experten für ein Spezialthema?

Ein guter Ausgangspunkt für Strategieberater ist unser Zertifikatslehrgang Digitalisierungsmanager (IHK), in dem das notwendige Know-how vermittelt und die individuelle Strategie entwickelt werden.

Über die Autorin:
Sylvia Steenken ist Beraterin und Trainerin in den Gebieten Digitalisierung und Franchising. Zusammen mit der Europäischen Kommunikations-Akademie (EKA) und der IHK Erfurt hat sie den Zertifikatslehrgang „Digitalisierungsmanager (IHK)“ konzipiert. Infos unter: digitalisierungsmanager.de

 

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