Blog

Chancen ergreifen – Potenziale entwickeln

Die [p3] Holzwerkstatt ist ein Projekt zur Ausbildungsqualifizierung

Seit einigen Jahren beschäftigt sich Peter Käpernick u.a. damit, die Mewes-Strategie im Bereich Migration anzuwenden. Probleme gibt es da bekanntlich genug. Mit seinen Projekten möchte er diejenigen unterstützen, die willens sind, sich in Deutschland zu engagieren und zu integrieren. Ein von ihm gefördertes Projekt ist die [p3] Holzwerkstatt in Freiburg. Im Folgenden stellt er das Projekt vor und interviewt den Geschäftsführer David Rösch. – Von Peter Käpernick

Engpässe – und zwar möglichst dringliche – einer Zielgruppe finden und lösen das ist ein Ansatzpunkt, um die Mewes-Strategie in die Umsetzung zu bringen. Dieses Motto begleitet das Team der [p3] Holzwerkstatt. Seit drei Jahren gibt es diese Institution in Freiburg. Rund 25 Personen arbeiten hier regelmäßig an verschiedenen Aufträgen und Werkstücken. Das Projekt hat zum Ziel, Geflüchtete aber auch Jugendliche aus Freiburg und Umgebung für eine Ausbildung im Handwerk oder in der Industrie vorzubereiten.

Sie lernen den Umgang mit Holz, Metall und Elektro. Außerdem haben sie die Chance, systematisch ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Dazu werden die Teilnehmer durch qualifiziertes Personal in Mathematik, Deutsch (täglich vier Stunden) und handwerklicher Praxis (täglich vier Stunden) unterrichtet. Im Mittelpunkt der [p3] Holzwerkstatt steht das Miteinander.

Einerseits wird also geflüchteten Menschen eine Grundlage vermittelt, was in deutschen Betrieben auf sie zukommt. Andererseits versucht die [p3] Holzwerkstatt, durch entsprechende Produkte Umsätze zu generieren und so einen Teil der Kosten hereinzuspielen. Aktuell finanziert sich das Projekt über Spenden, Zuschüsse (z.B. der Stadt Freiburg und der Stadtmission) und die Erlöse der verkauften Produkte.

Wertschöpfung entsteht also einerseits durch die Idee und Umsetzung, Migranten zu helfen, nach dem Motto: Gemeinsam lernen und Sinnvolles schaffen! Zum anderen entsteht aber auch Nutzen für die Abnehmer der in der Werkstatt hergestellten Produkte. Vermarktet werden diese über die Website des Projekts: p3-werkstatt.de

Eine „Fließbandproduktion“ brächte zwar marktfähige
Preise, doch die Lerngewinne würden wegfallen.

Damit hat Mit-Initiator und Geschäftsführer der Werkstatt, David Rösch eine ziemlich ausfüllende Doppelrolle: Den Lehrauftrag zu erfüllen und Produkte zu produzieren, die den Wünschen der Zielgruppe entsprechen. Die Schwierigkeit: Eine wirtschaftliche „Fließbandproduktion“ brächte zwar marktfähige Preise, es würden aber keine Lerngewinne aus der Arbeit mehr entstehen. So handelt es sich bei den angebotenen Produkten um hochwertige Unikate mit entsprechendem Preis.

Eine weitere Idee – neben der automatisierten Online-Vermarktung – besteht im Projektgeschäft. Hier könnten hochpreisige Projekte z.B. Briefkasten-Anlagen, Outdoor-Küche mit Fahrrad und Anhänger samt Präsentationsständer aus Holz (klappbar, als Kiste auf dem Fahrrad) etc. entwickelt und an verschiedene, noch zu definierende Zielgruppen verkauft werden.

Immer mit der Verknüpfung: Gutes Werk für die Azubis aber eben auch mit entsprechendem Nutzen für die Abnehmer, ganz nach dem Motto „Vielfalt. Qualität. Nachhaltigkeit.“ Mewes sagt: Erst kommt die Idee, dann das Produkt. Hier liegt die Alleinstellung unter dem Aspekt der Migranten: „Fremde Kulturen produzieren Sinnvolles in Freiburg… für dich, lieber Kunde.“

Eine Teilzielgruppe könnten Verbände/Parteien wie z.B. BUND, Amnesty, die Grünen o.ä. sein, die eine Affinität für das Migrationsthema haben und auf Veranstaltungen unterwegs sind. Sie könnten beispielsweise solche „mobilen Fahrgeschäfte“ als Infostand brauchen. Interessant könnten auch Existenzgründer sein – Ein-Personen-Betriebe, die auf Jahrmärkten, Weihnachtsmärkten und anderen Events z.B. Grünkohl, Kaffee oder Eis anbieten wollen etc. Hier gibt es jedenfalls eine Menge Potenzial. Ideen sind immer willkommen.

Peter Käpernick sprach mit David Rösch über das Projekt und die strategischen Perspektiven. David, wie startete die [p3] Holzwerkstatt in Freiburg?

Rösch: Es ist drei Jahre her, als wir abends mit dem Team in der Küche saßen und sich diese Idee herauskristallisierte. Die Evangelische Stadtmission hatte zu diesem Zeitpunkt ein Wohnheim übernommen. Diesem war eine Holzwerkstatt mit einem Schreinermeister angegliedert.

Dort begegneten wir zunächst älteren Leuten: Alle waren geflüchtet, wir erlebten diese Menschen als sehr passiv. Jugendliche kamen hinzu, weil die Jugendhilfe „Perspektive Freiburg gGmbH“ ebenfalls ihre Leute unterbringen wollte. Gemeinsam stellten wir schnell fest, dass das Bildungsniveau der beteiligten Bewohner eher gering ausgeprägt war: Der Wunsch, die persönliche Situation zu verbessern, war jedoch erkennbar.

Wir waren uns einig, dass eine Art Ausbildungsvorbereitung
– in Theorie und Praxis – sinnvoll ist.

Einer von uns kam auf die Idee – statt Kinderprogramm – lieber etwas für Jugendliche in Richtung Berufseinstieg zu machen. Damit war dieses Projekt geboren. Allerdings hatten wir keine besondere Vorstellung davon, wie wir das umsetzen sollten...!

Wir waren uns einig, dass eine Art Ausbildungsvorbereitung sinnvoll ist. So entstand die Idee, Praxis und Theorie anzubieten. Unser Ausbildungsprogramm richteten wir genau auf die erkennbaren Bedürfnisse der Teilnehmer aus: Die meisten wollten mit Holz oder Metall arbeiten. Elektro kam später hinzu.

Käpernick: Und wie lief das mit der Verständigung?

Rösch: Die Sprache war zunächst tatsächlich das Hauptproblem. Rechnen und Schreiben ging natürlich auch nicht. Genau dort setzten wir an und entwickelten Schritt für Schritt ein Programm, das sich auch nach den vorhandenen Kapazitäten – also Geld, Lehrer und Räume – richten musste. Eine Förderung der Hoffnungsträgerstiftung ermöglichte es bis September 2017, drei Kurse für insgesamt 12 Teilnehmer anzubieten.

Über ein Crowdfundingprojekt konnte dann weiteres Geld akquiriert werden. Auch ein Stipendium vom Gründerzentrum „Grünhof Freiburg“ und der Bürgermut-Stiftung half weiter. Ende 2017 starteten wir schließlich ein Ganztagesprogramm für 6 Teilnehmer. Die ersten zwei Teilnehmer legten eine Einstiegsqualifizierungsprüfung mit Erfolg ab.

Eine DAF-Lehrerin (Anmerkung: DAF = Deutsch als Fremdsprache) wurde Teil des Teams, sodass vor Ort jetzt fachkundiger Sprachunterricht angeboten werden konnte. Eine Metallwerkstatt und ein Elektrolabor wurden mit Unterstützung der badenova und einiger Firmen vor Ort aufgebaut. Ein Mechatroniker leitet diesen Bereich. Neue Kursteilnehmer kamen dazu. Jetzt haben wir eine gGmbH gegründet und gehen mit viel Schwung ins Jahr 2019.

In dieser Situation haben wir es mit drei Zielgruppen zu tun: 1. bereits im Schulsystem gescheiterte Jugendliche – 2. Jugendliche, zu alt für die Schule aber ohne Ausbildung – 3. hochqualifizierte junge Leute, die ohne Vorbereitung auch nicht in unser System passten.

Käpernick: Bei unseren Treffen haben wir oft über die Finanzierung diskutiert. Ein Aspekt sind Spenden, ein anderer sind die erstellten Produkte....?

Rösch: Darüber haben wir uns schon Ende 2017 unterhalten. Und schon damals ging es darum: Welche der von uns gefertigten Produkte lassen sich überhaupt verkaufen? Wir bieten im Online-Shop edle Küchenbretter sowie Glashalter und dekorative Lampen an. Das ist alles gut, bringt aber nicht die Umsätze, die wir bräuchten.

Für den Verein „Zusammen Leben e.V.“ fertigten wir dann eine mobile Küche. Sie ist mit dem Fahrrad überall einsetzbar. Sie hat einen elektrischen Antrieb und ist durch den Akku, durch Wassertanks für Frisch- und Abwasser sowie Gasflaschen „autark“ und damit überall einsetzbar. Betrachtet man dieses Produkt als Basis für eine selbständige Tätigkeit, dann kann man mit einer Investition von rund 10.000 Euro, ein Geschäft aufmachen und betreiben. Diese Idee verfolgen wir aktuell über eine Art Franchising-Ansatz.

Käpernick: An diesem Konzept arbeiten wir gerade. Eine zweite interessante Idee ist das Tiny House ...

Rösch: Ja, die Konstruktion von „Tiny Houses“ – also von Mini-Häusern – könnte interessant sein. Solche Wohnräume könnten stationär auf die im Hof befindlichen Garagendächer oder mobil als Anhängerkonstruktionen gebaut werden. Die Frage auch hier: Wer braucht diese Wohnräume? Bei den aktuellen Wohnengpässen, insbesondere in Freiburg, gibt es einen großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum.

Käpernick: Was ist für das nächste Jahr geplant?

Rösch: Wir haben vor, noch Flächen im Nebengebäude dazu zu nehmen. Für die Werkstätten bedeutet das mehr Platz. Freiburgs neuer Bürgermeister Martin Horn hat uns seine volle Unterstützung zugesichert. Dann wollen wir eine Kooperation mit einer arbeitgebernahen Bildungsorganisation ausbauen. Und natürlich wollen wir uns weiter mit Strategie beschäftigen.

Die Verbesserung interner Abläufe und die nachhaltige
Existenzsicherung des Projekts haben hohe Priorität.

Das soll heißen, dass die weitere Bearbeitung der internen Abläufe aber auch die Frage, wie wir nachhaltig existieren können eine sehr hohe Priorität besitzen. Da hoffen wir auf Deine Mithilfe, Peter. Vielleicht kann sich auch der Bundesverband StrategieForum e.V. noch mehr einbringen. Wir würden uns darüber sehr freuen.

Kontakt und weitere Infos:
Peter Käpernick, kaepernick@t-online.de
Werkstatt-Website www.p3-werkstatt.de

 

Es sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreibe Du den ersten!

Schreibe einen Kommentar

 

« zurück zur Liste

Kategorien

Archiv

Wie funktioniert der Blogzugang?

Die Beiträge der Kategorie News sind dauerhaft frei zugänglich. Für alle anderen gilt: Freier Zugang auf Seite 1 des Blogs. Ab Seite 2 brauchst du die Zugangsdaten, um alle - über 400 - Beiträge ansehen zu können.

Als Mitglied des StrategieNetzwerks kannst du alle Beiträge freischalten. Oder du buchst ganz einfach den Zugang zur StrategieDatenbank: